|
Jod
Jod ist ein essentielles Spurenelement. In der Medizin findet es
Anwendung als Desinfektionsmittel, als Schilddrüsenmedikament und
als Röntgenkontrastmittel. Als Nahrungsergänzung wird es in Form von
Natrium-Kaliumiodat Speisesalzen zugesetzt.
Für den Fall einer radioaktiven Verseuchung der Umwelt, wie z.B.
nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl, steht es in staatlichen
Lagern als Kaliumiodid zur Verfügung, damit es einige Tage lang in
einer erhöhten Menge eingenommen werden kann. Hierdurch wird die
Schilddrüse mit ungefährlichem Jod "abgesättigt" und der Einbau von
radioaktiv verseuchtem Jod vermindert.
Eine Überfunktion der Schilddrüse oder ein Schilddrüsenkrebs werden
hingegen mit radioaktivem Jod behandelt. Dazu wird dem Patienten bei
Schilddrüsenkrebs eine Kapsel mit dem Jodisotop I 131 mit einer
Aktivität von ca. 100 mCi, und bei einer Überfunktion von 5-50 mCi
verabreicht.
Jod kommt in Meeresfisch, jodiertem
Speisesalz und zum Teil auch im Trinkwasser vor. Es wird in die
Schilddrüsenhormone eingebaut. Zu wenig Jod in der Nahrung und
im Trinkwasser führt neben anderen Ursachen zur Vergrößerung der
Schilddrüse (Kropf).
Die Gegenden auf der Erde in denen ein Mangel an Jod herrscht,
werden als Jodmangelgebiete bezeichnet. Deutschland gehört zu
den Jodmangelgebieten, wobei der Jodmangel besonders in den
Gebirgsgegenden ausgeprägt ist. Dieser Jodmangel ist durch die
Eiszeiten bedingt, in denen die Jodvorkommen durch das
Schmelzwasser ausgewaschen wurden.
Jod in Schilddrüsenhormonen
Jod spielt vor allem bei der Synthese von Schilddrüsenhormonen
eine entscheidende Rolle. In der Schilddrüse werden etwa 80% des
täglich aufgenommenen Jods verbraucht. |
 |
 |
Ein Mangel an
Schilddrüsenhormonen (Hypothyreose) hingegen hat negative
Auswirkungen auf das Wachstum und die Entwicklung des Körpers.
Gerade in frühen körperlichen Entwicklungsphasen, also in der
Embryonalzeit und im Kindesalter, kann ein Mangel an
Schilddrüsenhormonen zu schwerer körperlicher und geistiger
Unterentwicklung führen. Daher ist insbesondere in diesen
Lebensphasen die gesunde Funktion der Schilddrüse wichtig, welche
nur durch ausreichende Versorgung mit Jod gewährleistet ist.
Die beiden wichtigsten Schilddrüsenhormone sind:
 |
|
Trijodthyronin (T3) und |
 |
|
Tetrajodthyronin (T4), kurz als Thyroxin bezeichnet.
|
Wie aus den
Bezeichnungen der Hormone bereits hervorgeht, ist Jod ein
wesentlicher Bestandteil. Das T3 enthält drei Jodmoleküle und das T4
dementsprechend vier. Jod muss mit der Nahrung aufgenommen werden.
Der tägliche Jodbedarf liegt bei 200 µg (Millionstel Gramm).
 |
 |
Das Jod gelangt aus
dem Magen-Darm-Trakt mit dem Blut in die Schilddrüse und wird
dort nach mehreren Zwischenschritten, unter anderem der
Jodination und der Jodisation, in die Schilddrüsenhormone
eingebaut. Täglich werden durchschnittlich 100 µg T4 und 10 µg
T3 gebildet und in der Schilddrüse gespeichert. Bei Bedarf
werden die Hormone dann an das Blut abgegeben. Im Blut sind
beide Hormone zu über 99% an Transporteiweiße gebunden und nur
ein sehr geringer Anteil liegt als freies, also ungebundenes
Hormon vor. Man spricht dann von freiem T3 (FT3) und freiem T4
(FT4).
Stoffwechselaktiv sind nur die freien Hormone. Die Halbwertszeit
für T3 beträgt zwanzig Stunden, die für T4 acht Tage. Unter der
Halbwertszeit ist in diesem Fall die Zeit zu verstehen, nach der
sich die ursprünglich vorhandene Menge dieser Hormone auf die
Hälfte reduziert hat. |
Die Bildung der
Schilddrüsenhormone wird durch einen Rückkopplungsmechanismus in
übergeordneten Zentren im Gehirn, dem Hypothalamus und der
Hypophyse, gesteuert. Mehr zum hormonellen Regelkreis der
Schilddrüse finden Sie hier.
Jodhaltige Lebensmittel
Die wichtigsten Lieferanten von Jod sind Seefische und Meerestiere.
Besonders reich an Jod sind Kabeljau und Schellfisch. Gute
Lieferanten sind zudem Fleisch und Milchprodukte, allerdings nicht
alle Käsesorten, da Jod manchmal bei der Fermentierung verloren
geht. Brot und andere Speisen sollten mit Jodsalz gesalzen werden,
um eine Minimalversorgung zu garantieren.
| Lebensmittel
|
|
Menge
|
|
Jodgehalt in
Mikrogramm |
|
| |
|
|
|
|
|
| Fischstäbchen
|
|
100 Gramm |
|
160 |
|
| Fisch, gegart
|
|
100 Gramm |
|
156 |
|
| Fischfrikadelle
|
|
100 Gramm |
|
111 |
|
| Fischfilet,
gebraten |
|
100 Gramm |
|
105 |
|
| Matjesfilet
|
|
100 Gramm |
|
63 |
|
| Hartkäse
|
|
100 Gramm |
|
52 |
|
| Thunfisch in Öl,
Konserve |
|
100 Gramm |
|
40 |
|
| Räucherlachs
|
|
100 Gramm |
|
37 |
|
Jodbedarf
Der tägliche Jodbedarf
beträgt laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. für
Kinder und ältere Menschen 180 µg, für Jugendliche und
Erwachsene mittleren Alters 200 µg. Schwangere und Stillende
sollten 230 bis 260 µg pro Tag zu sich nehmen. Durch die
Steigerung des Verbrauchs von Jodsalz in den letzten Jahren
konnte die Jodversorgung der Bevölkerung verbessert werden;
dennoch geht man davon aus, dass immer noch ein tägliches
Defizit von mindestens einem Drittel oder gar der Hälfte der
empfohlenen Menge besteht.
|
 |
 |
|
Altersgruppe |
 |
Empfohlene Jod-Tagesration
in Mikrogramm |
 |
Tägliche
Aufnahme |
 |
Joddefizit |
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
| Gestillte
Säuglinge |
|
50 - 80 |
|
40 - 50 |
|
10 - 40
|
|
| Kinder,
ältere Menschen (über 51) |
|
140 - 180 |
|
70 - 100 |
|
70 - 110
|
|
| Jugendliche,
Erwachsene |
|
180 - 200 |
|
100 - 120 |
|
80 - 100 |
|
| Schwangere,
Stillende |
|
230 - 260 |
|
110 - 125 |
|
120 - 150 |
|
Jodmangel
Die Symptome eines
Jodmangeln, der zu einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose)
führt, zeigen sich meist schleichend, so dass man anfangs keine
Beschwerden wahrnimmt. Erst bei einer stärkeren Unterfunktion
klagen die Betroffenen über:
 |
|
Müdigkeit
|
 |
|
Antriebsarmut
|
 |
|
Wachstums- und
Entwicklungsstörungen bei Kindern |
 |
|
Gesteigertes
Schlafbedürfnis |
 |
|
Konzentrationsstörungen |
 |
|
Kälteempfindlichkeit |
 |
|
Obstipation,
also Verstopfung |
Die Patienten
sind insgesamt in Aktivität und Aufmerksamkeit verlangsamt. Die
Haut ist trocken, kühl, blass und häufig teigig aufgetrieben als
Folge einer vermehrten Flüssigkeitseinlagerung in das
Unterhautfettgewebe. Man bezeichnet diese Veränderung als
Myxödem. Die Stimme der Patienten ist infolge eines Myxödems der
Stimmbänder rau und heiser, die Sprache häufig undeutlich und
verwaschen, und zwar aufgrund eines Myxödems der Zunge. Der Puls
der Patienten ist verlangsamt und die Muskeleigenreflexe sind
abgeschwächt.
Bei älteren Patienten sind häufig nur einige dieser Symptome
vorhanden. Hier dominieren Schwäche und Kraftlosigkeit,
Kälteempfindlichkeit und Obstipation. Leichte Formen von
Hypothyreosen werden daher oft übersehen.
zurück |
|