Mineralstoff Selen
Selen ist Bestandteil eines Enzyms, das rote Blutkörperchen, Zellmembranen und andere Zellelemente vor dem Angriff Freier Radikale schützt. Der Körper braucht Selen aber noch an anderen Stellen dringend: Dieser Nährstoff bringt Fress- und Killerzellen auf Trab, die Eindringlinge vernichten. Bei der Fortpflanzung spielt er ebenfalls eine wichtige Rolle.

Selen wirkt auf gewisse Weise auch entgiftend, denn es bindet die Schwermetalle Blei, Kadmium, Quecksilber und Arsen. Produkte aus biologischer Landwirtschaft enthalten mehr Selen als die üblichen Nahrungsmittel, da sie ohne schwefelhaltige Düngemittel angebaut werden.

Ein Selenmangel droht bei einer Ernährung, die arm an Getreideprodukten und Fleisch ist. Auch bei Dialysepatienten, nach schweren Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und bei schweren Formen alkoholbedingter Lebererkrankungen kommt es zu einem Defizit. Stress und Schadstoffbelastungen können den Selenbedarf erhöhen.
 

In der Medizin gilt Selen als essentielles Spurenelement. Im Körper kommt es in den Zähnen und Knochen sowie in Enzymen vor. In Antischuppen-Shampoos und in einer Reihe von Medikamenten gegen Hauterkrankungen befindet sich Selen. So wird es als therapieunterstützendes Medikament bei der Behandlung der Kleienpilz- und Schuppenflechte angewandt. Selenige Säure (H2SeO3) wurde früher wie weisses Arsenik in geringen Mengen als Oxidationsmittel zur Gewichtszunahme eingenommen. Es muss aber auch darauf hingewiesen werden, dass einige Selenverbindungen hoch giftig sind und im

Verdacht stehen, krebserregend zu wirken. So wird Selen beispielsweise auch zu den krebserregenden Inhaltsstoffen des Tabakrauches gezählt.

Funktionen im Körper
Selen spielt eine wichtige Rolle in der Entgiftung des Körpers und ist Bestandteil einiger Enzyme. Es ist kovalent, also fest, an das Enzym Glutathionperoxidase gebunden. Dieses Enzym verstärkt die Umwandlung von freien Radikalen, vor allem von Wasserstoffperoxid (H202), mit Hilfe von Glutathion, welches in tierischen Zellen in recht hohen Konzentrationen verfügbar ist, in harmlose Abkömmlinge (Derivate). Freie Radikale sind chemisch ausserordentlich reaktionsstarke Moleküle, die zu einer Schädigung der DNA und damit zu Mutationen führen können.

Sie gehören daher zu den kanzerogenen (krebserregenden) Substanzen.

Als Bestandteil des Enzyms Thyroxin-5-Deiodase ist Selen an der Aktivierung der Schilddrüsenhormone beteiligt. Weiterhin soll es eine Rolle in der Immunabwehr spielen und bei der Entgiftung bzw. Ausleitung von Schwermetallen beteiligt sein. Selen bildet mit einigen Schwermetallen stabile Metallselenide, die aus dem Magen-Darm-Trakt nicht resorbiert und somit ausgeschieden werden.


Selen-Gehalt in Lebensmitteln
Süss- und Seewasserfische, Eigelb, Fleisch, Leber, Getreideprodukte und Nüsse gelten als Hauptlieferanten von Selen. Selen wird an Eiweiss gebunden aufgenommen.

Lebensmittel     Portionsgrösse
in Gramm
    Gehalt pro Portion
in Mikrogramm
Getreide            
Haferflocken     100     10
Reis     100     40
Weizenmehl, Typ 2000     100     55
Weizenkleie     100     60-130

Fisch
           
Hering     100     140
Tunfisch     100     130
Scholle     100     65
Rotbarsch     100     45
Makrele     100     35
Kabeljau     100     30

Fleisch und Geflügel
           
Rind: Filet     100     35
Schwein: Kotelett     100     25
Gans     100     45
Huhn: Schenkel     100     14
Huhn: Brust     150     16
Nüsse            
Kokosnuss     50     405
Paranüsse     30     30
Pistazien     30     135
Hülsenfrüchte            
Sojabohnen     75     45
Bohnen, weiss     75     15

Gemüse
           
Kartoffeln     200     8-40
Kohlrabi     200     16-33
Rettich     100     2-30
Blumenkohl     200     2-32
Rosenkohl     100     18
Spinat     100     2-18



Mangelerscheinungen
Welche Folgen ein Mangel an Selen haben kann, ist noch nicht vollständig erfasst. Studien deuten jedoch einen Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und verschiedenen Herzkrankheiten an. Auch Verbindungen zwischen Selenmangel und der Häufigkeit von Krebs wie Leber-, Darm- und Lungenkrebs sind in Studien dargelegt worden. Bei Weidetieren, die in selenarmen Gegenden grasten, wurden Lähmungen, Leberschäden und Stoffwechselstörungen beobachtet.

Ausserdem gibt es Hinweise darauf, dass ein Selenmangel zur Unfruchtbarkeit bei Männern führen kann. Dies geschieht dadurch, dass erstens die Reifung der Spermien bei einem Selenmangel gestört wird und sich zweitens ihre Beweglichkeit verringert.


Überdosierung

Eine Überversorgung mit Selen äussert sich durch Haarausfall, Veränderungen der Fingernägel, Hautrötungen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, einen metallischen Geschmack im Mund und einen knoblauchartigen Geruch der Atemluft. Bereits ab 800 Mikrogramm pro Tag können diese Erscheinungen auftreten. 350 bis 450 Mikrogramm Selen pro Tag gelten gerade noch als unbedenklich.

zurück