Darmpolypen und Adenome

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Zusammenfassung

Polypen sind gutartige Schleimhautvorwölbungen, wobei es sich in den meisten Fällen um Wucherungen des Drüsengewebes handelt, um sog. Adenome. Adenome können bösartig entarten, wobei sie aber sehr langsam - ca. 1mm/Jahr - wachsen. Mit einer Entartung muss in der Regel erst nach einigen Jahren gerechnet werden, wenn das Adenom eine bestimmte Größe erreicht hat. Über 90% aller kolorektalen Karzinome entwickeln aus Adenomen, eine frühzeitige Diagnosestellung und Entfernung ist deshalb entscheidend und kann einer Krebsentstehung vorbeugen.

In den meisten Fällen machen Polypen keinerlei Beschwerden und sind Zufallsbefunde bei der Koloskopie. Bei größeren Polypen kann es zu Stuhlunregelmäßigkeiten, Schmerzen, Blut und Schleim im Stuhl kommen. Diagnostisch ist neben der manuellen Austastung des Enddarms und einem Test auf okkultes (nicht sichtbares) Blut im Stuhl v.a. die Darmspiegelung von Bedeutung. Polypen können hierbei nicht nur diagnostiziert sondern auch gleichzeitig entfernt werden. Bei einer anschließenden feingeweblichen Untersuchung wird das entfernte Gewebe auf Zellatypien untersucht und die Entität -gutartig oder bösartig- geklärt.

Allgemeines / Definition

Als Polypen bezeichnet man genaugenommen jede Vorwölbung der Schleimhaut in das Darmlumen. Bei über 95% der Polypen handelt es sich um Adenome, gutartige Wucherungen, die vom Drüsengewebe der Schleimhaut ausgehen. Sie können von unterschiedlicher Form und Größe sein, können breitbasig aufsitzen oder gestielt sein, einzeln aber auch in großer Zahl auftreten. Adenome wachsen langsam, ca. 1mm pro Jahr, können aber nach einer gewissen Zeit, wenn sie eine bestimmte Größe erreicht haben, entarten (Adenom-Karzinom-Sequenz).

Ursachen

Die Tatsache, dass Darmpolypen in Westeuropa und den USA weit verbreitet, in vielen anderen Teilen der Erde aber eher selten sind, lässt darauf schließen, dass die Ernährung bei ihrer Entstehung eine wichtige Rolle spielt. Man nimmt an, dass ein hoher Anteil tierischer Fette, wenig Ballaststoffe sowie Rauchen, Alkoholkonsum und Übergewicht die Ausbildung von Polypen begünstigen.

Weiterhin gibt es eine Reihe erblicher Krankheiten, die durch das vermehrte und frühzeitige Auftreten von Polypen im Darm gekennzeichnet und mit einem z.T. erheblich gesteigerten Darmkrebsrisiko verbunden sind. Hierzu zählen die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP), das Gardner-Syndrom, das Peutz-Jeghers-Syndrom, sowie das Lynch-I- und Lynch-II-Syndrom.

Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP)

Diese Erkrankung ist gekennzeichnet durch viele im Dickdarm vorhandenen Polypen, die bösartig entarten können. Die FAP ist für ca. 1% aller Rektumkarzinome verantwortlich. Sie wird bei einem pro 10 000 Neugeborenen entdeckt. Es handelt sich um eine autosomal dominant vererbbare Erkrankung. Das bedeutet, das jeder, der unter dieser Erkrankung leidet, die FAP in jedem Fall allen Kindern weitervererbt. Allerdings lässt sich etwa bei 1/3 der Patienten kein eindeutiger Erbgang nachweisen. Das bedeutet, dass der Gendefekt spontan entstanden sein muss. Das Risiko, an einem kolorektalen Karzinom zu erkranken beträgt bei FAP-Patienten 100%!

Gardner-Syndrom

Diese Erkrankung beruht auf einem ähnlichen Gendefekt wie die FAP. Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch viele im Dickdarm vorhandenen Polypen, die bösartig entarten können. Außerdem treten bei der Erkrankung andere gutartige Tumoren, z.B. der Knochen (Osteome), des Fettgewebes (Lipome), des Bindegewebes (Fibrome) und Zysten der Talgdrüsen auf.

Peutz-Jeghers-Syndrom

Dieses Syndrom bezeichnet ebenfalls eine Kombination aus dem Vorhandensein einer Vielzahl von Polypen im Darm und im Magen, brauner Flecke in der Mundschleimhaut und an den Armen und Beinen. Gegenüber der Normalbevölkerung ist bei Vorliegen dieser Erkrankung das Risiko, an einem kolorektalen Karzinom zu erkranken deutlich erhöht, jedoch liegt die Wahrscheinlichkeit nicht bei 100% wie bei den oben genannten Erkrankungen.

Lynch-I- und Lynch-II-Syndrom

Es handelt sich um das "familiäre Kolorektalkarzinomsyndrom" und das "hereditäre Adenokarzinomsyndrom". Diese Syndrome sollen für 6 % aller Dickdarmkarzinome verantwortlich sein.

Häufigkeit

Darmpolypen sind insgesamt recht verbreitet. Bei jungen Menschen sind sie selten, bei den über 40-Jährigen weisen 20-30% bei den über 60-Jährigen sogar 40-50% derartige Veränderungen auf.

Symptome

Die meisten Polypen verursachen keine Beschwerden, oft sind sie Zufallsbefunde bei der Darmspiegelung. Besonders bei größeren Polypen kann es aber zu Stuhlunregelmäßigkeiten, Durchfall oder Verstopfung kommen, gelegentlich treten Bauchschmerzen auf oder es finden sich Spuren von Blut oder Schleim im Stuhl. Solche Beschwerden müssen immer abgeklärt werden.

Diagnose

Neben der Tastuntersuchung und dem Okkultbluttest sollte bei entsprechender klinischer Symptomatik eine Darmspiegelung (Koloskopie) erfolgen. Bei dieser Untersuchung können vorhandene Polypen nicht nur diagnostiziert, sondern auch gleich abgetragen und feingeweblich untersucht werden. Außerdem kann geklärt werden, ob nicht etwas anderes, wie z.B. Darmkrebs oder auch eine entzündliche Darmerkrankung ursächlich für die Beschwerden sind. Bei den erblichen Formen der Polyposis sind regelmäßige Koloskopien unumgänglich.

Therapie

Prinzipiell sollten alle Polypen wegen der Entartungsgefahr entfernt und histologisch (feingeweblich) untersucht werden; das gilt insbesondere für Polypen von 5mm Größe und mehr. Wie schon erwähnt, kann die Abtragung der Polypen im Rahmen der diagnostischen Darmspiegelung erfolgen. Durch den Arbeitskanal des Endoskops wird der Polyp mit einer kleinen Schlinge umfasst und an der Basis abgetragen. In der Regel verursacht dies dem Patienten keinerlei Schmerzen.

Komplikationen

Große Polypen können das Darmlumen stark einengen. Die Stuhlpassage wird zum Teil erheblich behindert, es kann zum Darmverschluss kommen. Chronische Blutverluste durch blutende Polypen können zu einer Blutarmut (Anämie) führen.

Adenome können bösartig entarten. Dies geschieht bei den nicht-erblichen Adenomen allerdings erst nach längerem Wachstum und ab einer gewissen Größe; das Entartungsrisiko wird hier mit etwa 2-10% angegeben. Über 90% der kolorektalen Karzinome entwickeln sich aus einem Adenom!

Prophylaxe

Prophylaktisch ist eine ausgewogene Ernährung mit wenig tierischen Fetten und vielen Ballaststoffen empfehlenswert. Auch der Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum sowie regelmäßige Bewegung und Vermeidung von Übergewicht senken das Risiko einer Polypenentstehung und damit gleichzeitig das Darmkrebsrisiko.

Prinzipiell verhindern kann man die Ausbildung von Schleimhautpolypen im Darm aber nicht, sie müssen deshalb früh entdeckt und entfernt werden. Empfehlenswert ist es für jeden, die gesetzlich vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen. Außerdem müssen Beschwerden wie z.B. Stuhlunregelmäßigkeiten, Blut oder Schleim im Stuhl auf jeden Fall abgeklärt werden.

Sind bereits Adenome gefunden und entfernt worden sollten in regelmäßigen Abständen Kontrollkoloskopien erfolgen. Anhand von Größe, Form und Anzahl der Adenome sowie dem Vorhandensein von Zellatypien kann das individuelle Rezidiv- und Entartungsrisiko abgeschätzt und die Abstände der Kontrollkoloskopien entsprechend gewählt werden.

Prognose

Primär handelt es sich um eine gutartige Erkrankung, die -rechtzeitig erkannt- gut behandelbar ist. Allerdings kommt es bei 30-50% der Patienten zu einem Rezidiv (wiederkehrend).

 

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