Reisedurchfall/Magen-Darm-Grippe / Ferientage auf dem WC verbringen?

Praktisch jede zweite Person, die nach Süden in die Fereien reist, muss mit einer Magen-Darm-Grippe (Reisedurchfall rechnen. Warum eigentlich? Wie lässt es sich vermeiden? Und wie ist dieses lästige Ferienübel am besten zu überstehen? Hier die wichtigsten Verhaltensregeln und nützlichen Hintergrund-informationen.

Endlich ist man an seinem Ferienziel angekommen. Und ein zwei Tage später ist man nur ein Häufchen Elend. Magen- und Darmkrämpfe, grässlicher Durchfall, Erbrechen, kalter Schweiss, totale Schwäche – ein Lebensgefühl so richtig zum Sterben. Keine Spur mehr von Ferienfreude und Geniessen. Und wer nicht sehr gut aufpasst, steckt auch noch die Reisegefährten oder den Rest der Familie an. Reisedurchfall oder Magen-Darm-Grippe ist das weitaus häufigste Ferienübel. Wer Glück hat, ist schon am anderen Morgen oder nach ein, zwei Tagen wieder obenauf. Es kann aber auch bis zu einer Woche dauern. Das Gefährliche daran ist die Austrocknungsgefahr durch den grossen Flüssigkeitsverlust.

Bakterien, Viren, Einzeller und die geschwächte Abwehr sind schuld   Auslöser einer Darmgrippe ist fast immer eine Kombination verschiedener Bakterien, Viren oder Eizeller (Kleinstlebewesen), die wir mit Speisen oder Getränken zu uns nehmen. Meist sind es sehr agressive Stämme und Arten, denen unser Darm und unser Immunsystem noch nie begegnet sind. Die eingeborene Bevölkerung ist dagegen längst immun und sieht deshalb keinen Anlass zu besonderen Hygienemassnahmen. In Hotelküchen, an Strassenständen oder hinter wunderbar farbigen und gluschtigen Buffets sind oft Hilfskräfte am Werk, die es mit der Sauberkeit nicht allzu genau nehmen. Auch bei Transport und Lagerung der Lebensmittel in feuchtwarmem Klima haben Bakterien leichtes Spiel. Die andere Seite ist unsere geschwächte Abwehr: Die Reiseaufregung, die Zeitverschiebung (Jet-Lag), der veränderte Tagesryhtmus, das ungewohnte Essen, das Abschalten nach stressigen Vorferienwochen, das alles trägt dazu bei, das unser Immunsystem nicht ganz auf der Höhe ist. Und schon passierts! Der Darm ist die Schwachstelle, die jetzt besonders gern befallen wird. Übrigens: Alkoholische Getränke "desinfizieren" den Darm nicht, sie schwächen ihn im Gegenteil noch zusätzlich!

Was tun wenns unten losgeht?                                                                                          Eine einfache Durchfallerkrankung vergeht meist von selbst und braucht keine spezielle Therapie. Den Durchfall nicht sofort mit Medikamenten zu stoppen versuchen. Sonst können die verursachenden Krankheitskeime oder Schadstoffe nicht ausgeschieden werden und die Heilung wird verzögert. Beim Durchfall verliert der Körper aber sehr viel Flüssigkeit und Mineralsalze. Das kann zu gefährlichem Austrocknen führen. Darum unbedingt mindestens 2,5 Liter pro Tag trinken. Schwarztee ist hilfreich, denn er wirkt leicht stopfend und beruhigend. Bei starkem Durchfall 1 – 2 Tage gar nichts Essen. Dann vorsichtig wieder mit Schonkost beginnen: Reissschleimsuppe, Zwieback, geriebene Apfel, Bananen, weissen gekochten Reis. Blähende oder stark zitrushaltige Speisen noch ein, zwei Wochen vermeiden. Achtung: Tritt bei einem Durchfall Fieber auf oder stellen Sie Blut im Stuhl fest, sofort einen Arzt oder Spital aufsuchen, um eine gefährliche, tropische Erkrankung auszuschliessen (Cholera, Ruhr, Beriberi, Typhus usw.).                                                           

Mit natürlichen Präparaten unterstützen und aufbauen                                    Eine Darmgrippe setzt der Darmflora, den nützlichen Bakterienstämmen, die wir für eine gesunde Verdauung benötigen, schwer zu. Sie muss beim Ausheilen wirksam unterstützt und wieder aufgebaut werden. Auch mit pflanzlichen Präparaten lassen sich der Durchfall und vor allem die Krämpfe mildern.

Noch besser: Beim Essen und Trinken aufpassen!                                                Die Durchfallereger werden mit dem Stuhl einer infiszierten Person ausgeschieden und von den Gesunden mit Nahrungsmitteln oder Getränken aufgenommen. Es kann z.B. ausreichen, dass Gefässe und Schüsseln mit ungewaschenen Händen geputzt werden. Am besten können Sie sich schützen, indem Sie sich an das Sprichwort halten: erhitze es, siede es, schäle es oder vergiss es). Gekochte oder gut durchgebratene Lebensmittel sind sicherer, weil Erhitzen die Durchfallereger abtötet. Grundsätzlich verzichten sollten Sie in südlichen ändern auf Leitungswasser, Eiswürfel, ungeschälte Früchte und andere rohe Nahrungsmittel sowie auf Austern, Glacé-Gerichte, ungekochte Milch und Yoghurt. Lieber mit Mineralwasser die Zähne putzen, als drei Tage darnieder liegen! Besonders verführerisch sind wunderbar farbig und gluschtig aufgebaute Selbstbedienungsbuffet mit vielen Salaten, bei denen man nicht so richtig sieht, was gekocht ist und was roh oder mit rohen Bestandteilen gemacht wurde!

Verfolgen wir einmal die Reise unserer Speisen

  1. Station, Mund: Hier wird die Nahrung zerkaut und mit Speichel vermischt. Darin enthaltene Enzyme fangen schon hier mit Verdauen an. Sie lösen vor allem die Kohlenhydrate auf. Sehr leicht lösliche Substanzen werden schon durch die Mundschleimhaut aufgenommen.

  2. Station, Speiseröhre: Der Speisebrei wird in diesem muskulösen Schlauch rhythmisch nach unten gedrückt. Ihre Schleimhautfalten und ein Muskelring am Mageneingang verhindern, dass das Gegessene "rückwärts" wieder nach oben laufen kann.

  3. Station, Magen: Hier werden die Speisen nicht nur durchgeknetet, sondern mit einem echt "ätzenden" Milieu konfrontiert. Etwa zwei Liter ziemlich konzentrierte Salzsäure pro Tag desinfizieren den Speisebrei. Pepsine spalten die Eiweissbestandteile auf. Lipasen beginnen mit der Fettverdauung

  4. Station, Zwölffingerdarm: Durch den Pförtnermuskel gibt der Magen den Speisebrei an den kurzen Zwölffingerdarm weiter. Gallensäuren werden zugeleitet. Sie zerlegen die Fette weiter. Die Bauchspeicheldrüse schickt weitere Enzyme hinein.

  5. Station, Fünf Meter Dünndarm: Hier geschieht die eigentliche Verdauung. Die lebhaften Bewegungen des Darms (von aussen wie ein Regenwurm, der sich fortbewegt), transportieren den Speisebrei sanft und rhytmisch immer weiter. Unzählige Darmzotten nehmen die jetzt freigesetzten Nährstoffe ins Blut auf, hauptsächlich über Venen und die Pfortader. Diese führt sie zur Leber, wo sie weiter verdaut, entgiftet und bearbeitet werden. Die lange Passage durch den Dünndarm dauert etwa 4 bis 6 Stunden. (Fleisch dauert am längsten).

  6. Station Dickdarm: Die Überreste des Speisebreis, nun fast ohne Nährstoffe, werden durch den Dickdarm, der von nützlichen Bakterien besiedelt ist. Hier wird ihnen ständig Wasser entzogen, bis sie als relativ trockene Wurst in den Mastdarm gelangen und über den After ausgeschieden werden. Dank dieser "Trocknungsanlage" müssen wir viel seltener Stuhl von uns geben, als wir essen. Diese sehr vereinfachte Schilderung unseres Verdauungssystems macht verständlich, warum es so anfällig ist auf Störungen wie z.B. Reisedurchfälle!

                                                                             zurück