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Heilsame Einbildung
Der Placeboeffekt – Schlüssel zu unserer inneren Apotheke Am besten Untersucht ist diese körperliche Reaktion bei Schmerzen. Glaubt ein Patient, ein schmerzlinderndes Mittel zu bekommen, beginnt sein Gehirn Endorphine auszuschütten. Endorphine sind körpereigene Schmerzhemmer, chemisch verwandt mit Opium. Das Placebo aktiviert also eine Art innere Apotheke, die ganz real Schmerzen dämpft. Neben den Endorphinen sind Forscher heute weiteren körpereigenen Substanzen auf der Spur, die ebenfalls Placebo-Reaktionen vermitteln können. Zu ihnen gehören die Botenstoffe Dopamin und Serotonin, die für das Wohlbefinden eine wichtige Rolle spielen. Schönbächler bringt das Placebo-Prinzip auf den Punkt: "Die Erwartungsheilung eines Patienten setzt Selbstheilungskräfte des Körpers frei." Wie stark dieser Effekt ausfällt , hängt unter anderem von der Form des Eingriffes ab. Je beeindruckender das medizinische Verfahren, desto grösser unsere Erwartungen: Skalpell und Spritze kicken die Selbstheilungsmechanismen stärker an als simple Pillen. Bei Tabletten spielt selbst die Farbe eine Rolle: Farbige helfen besser als farblose, blaue wirken beruhigend, und rote helfen besonders gut gegen Rheuma und Arthritis - auch wenn kein Wirkstoff drinsteckt. Die Kraft der Vorstellung wirkt nicht nur bei Scheinbehandlungen. Fachleute nehmen an, dass sie einen beachtlichen Teil der Wirkung "echter" Arzneimittel und Therapien ausmachen. Möglicherweise ist der Placebo-Anteil bei echten medizinischen Massnahmen sogar besonders hoch, sagt Schönbächler. Denn erste Anzeichen einer Besserung lassen uns erst recht auf den Erfolg der Therapie vertrauen. Selbst wenn alternative Heilmethoden tatsächlich nur den Placebo-Effekt ausschöpfen - wirkungslos sind sie deswegen nicht. Dem Patienten hilft ein starkes Placebo unter Umständen mehr als ein schwacher Wirkstoff. Alternative Heilkundler haben vielen Schulmedizinern eines voraus: Sie nehmen sich Zeit für den Patienten, beziehen den ganzen Menschen mit ein und strahlen Zuversicht aus. Diese Zuwendung aktiviert beim Kranken die Kräfte der Vorstellung und letztlich der Selbstheilung. Die meisten Schulmediziner verbinden das Placebo-Phänomen bis heute mit Scharlatanerie. Damit geben sie ein wertvolles Heilmittel aus der Hand. "Ärzte und Ärztinnen sollten überlegen, wie sie Placebo-Reaktionen therapeutisch einsetzen können", sagt Georg Schönbächler. Bereits ein weisser Kittel, ein Rezeptblock oder ein Blutdruck-Messgerät kann beim Kranken Heilungs-erwartungen wecken. Ein verständnisvolles Gespräch und positive Informationen zur Behandlung verstärken noch das Gefühl des Patienten, gut aufgehoben zu sein. Der Arzt selbst wird so zum Placebo. Bei einer Placebo-Reaktion verändern Gedanken die Abläufe im Körper das heisst die Selbstheilungskräfte werden eindeutig aktiviert und dem Patienten geht es wieder besser. |